Singen im Gemeindeleben

Singen im Gemeindeleben


# Kirchenmusik
Publish date Veröffentlicht am Dienstag, 28. Juli 2020, 16:49 Uhr

Liebe Geschwister,

man kann es nicht anders sagen in dieser Zeit: die Kirchenmusik ist gerade recht gebeutelt. Zwar ist vieles unter Einschränkungen möglich: Instrumentalunterricht, Bläserproben, Konzerte, auch das Singen. Doch Einschränkungen sind nicht jedermanns Sache. Gerade beim Singen wird die Gefahr einer Ansteckung durch in der Luft umherschwirrende Aerosole als sehr hoch eingeschätzt. Daher gilt derzeit (noch bis 16.08.) in geschlossenen Räumen: Singen nur mit großem Abstand, drei Meter seitlich, sechs Meter in Singrichtung. Der Abstand kann im Gottesdienst auf zwei Meter verringert werden, dafür muss dann aber mit Maske gesungen werden.

Besonders trifft es die Chöre: im Moment dürfen sich überhaupt nur bis zu sechs Menschen treffen, um gemeinsam zu singen, auch hier nur unter Einhaltung der oben genannten Abstände und für eine relativ kurze Zeit. Mehr Möglichkeiten gibt es im Freien.

Die Reaktionen auf diese Einschränkungen sind unterschiedlich: da finden sich in erster Linie Bedauern, aber auch Ärger und Unmut, Befürchtungen vor dem Wegbrechen geliebter Gruppen, Angst vor dem Untergang jahrelanger Aufbauarbeit. Auch Widerstand. All dies ist nachvollziehbar, mitfühlbar, wenn man sich bemüht, die Welt einmal durch die Augen des jeweiligen Gegenübers zu betrachten.

COVID -19 polarisiert offensichtlich unsere Gesellschaft noch mehr als die Flüchtlingskrise oder die Klimabewegung: denn jede und jeder ist dezidiert exakt jetzt betroffen.

Uns allen wird spätestens in dieser Krise bewusst, wie verschieden wir sind, wenn es darum geht, welchen Informationsquellen wir vertrauen. Und ob wir Regeln als Ermöglichung eines friedlichen und sicheren Miteinanders verstehen oder eher als ungerechtfertigten Eingriff in unser Selbstbestimmungsrecht und unsere Eigenverantwortung. Auch beim Thema Singen zeigt sich die große Bandbreite der Meinungen.

Doch mit ein wenig Abstand betrachtet kann man in dieser Krise durchaus viel Gutes erkennen.

Denn wir alle können jetzt - und müssen vielleicht sogar - lernen, trotz teilweise völlig konträrer Meinungen einen äußerst respektvollen Umgang miteinander zu pflegen und jedem Menschen seine Meinung und die daraus resultierende Haltung zuzugestehen, so absurd und unverständlich sie einem selbst vielleicht auch vorkommen mag. Statt einander einfach zu verurteilen und sich eben einfach einen neuen „Nächsten“ zu suchen, den man leichter lieben kann, wird es nun essentiell, dass wir immer wieder aufs Neue das Verbindende suchen, um ein konstruktives, freundliches, vielleicht sogar wirklich liebevolles Miteinander möglich zu machen.

Denn: klar, irgendwann werden wir - rückblickend - wissen, welche Maßnahmen sich als die richtigen herausgestellt haben werden, welche Erkenntnisse zutreffend waren, wer also letzten Endes „Recht hatte“.

Und was nützt das dann noch? Nichts.

Jetzt, genau jetzt helfen drei Zauberworte:

Loslassen.

Vertrauen.

Gott ist bei uns und lässt uns niemals allein. Wir können uns jederzeit einfach in seine göttliche Liebe einklinken und uns tragen lassen. Nichts kann uns davon trennen außer wir uns selbst. Unsere Gedanken entscheiden darüber, ob wir uns eingraben in Gefühle, die uns oft die Laune verderben oder uns einfach in Gottes Liebe hineinbegeben.

Wie viele Loblieder können wir DAFÜR singen! Allein, in der Familie, mit Freunden. Im Chor im Freien, im Gottesdienst mit Abstand. So vieles ist trotz der einschränkenden Regeln möglich. In Sicherheit. Wir können einander treffen, uns austauschen, können uns darüber freuen, gesund zu sein.

Es ist so ein großes Geschenk, frei atmen zu können!

Damit komme ich zum dritten, noch fehlenden Zauberwort. Es lautet: Dankbarkeit.

Und diese Dankbarkeit ist in so wunderbar einfachen und klaren Worten ausgedrückt im 105. Psalm, dass ich sie Euch hier in der Textfassung von Karl Friedrich Wilhelm Herrosee in EG 333 ins Gedächtnis rufen möchte und singe:

Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich, sie währet ewiglich.

Alles Gute für die kommenden Wochen!

Herzlichst,
Ihre Kreiskantorin
Anja Liske-Moritz


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