Gegen die Angst

Gegen die Angst


# Kurzandachten
Veröffentlicht von Jens Peter Erichsen am Freitag, 22. Mai 2020, 12:10 Uhr

Matthäus 26,36-46

Als Kind musste ich, um zu meinem Zimmer zu gelangen, über den Dachboden unseres alten Bauernhauses gehen. Manchmal abends, wenn nur das Licht einer nackten Glühbirne den Weg erleuchtete, wurde mir dieser Weg recht unheimlich. Wenn es dann noch raschelte und im Gebälk knackte, lebte in mir eine Angst vor dem Unbekannten auf, vor dem Bösen, das möglicherweise auf mich lauerte. Auch gute Argumente, z. B. das Wissen, dass das Rascheln von Mäusen kam und das Gebälk eben knackte, weil das Holz immer „arbeitet“, halfen nicht wirklich gegen die Angst.

Heute sind unsere Ängste vielleicht andere, die Angst vor der Krankheit, vor der Einsamkeit, vor der Arbeitslosigkeit, dem Wegbrechen von Beziehungen, vor Viren in der Luft - und im Computer.

Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes,16,33). Und ganz oft steht in der Bibel: "Fürchte dich nicht!" Haben Christen also keine Angst? Kann ihnen nichts passieren, weil sie ja zu Gott gehören?

Jesus selbst zeigt uns, dass es nicht so ist. Er selbst hat Angst in ihrer ganzen Tiefe erlebt. Im Garten Gethsemane kurz vor seiner Verhaftung ringt er mit seinem himmlischen Vater um den Weg, der ihm bevor steht. Jesus hat Angst! Und die spricht er vor Gott aus. Bittet seinen Vater, ihn vor dem Leid zu bewahren, wenn es sein kann. Um dann getröstet, gestärkt in das Leid zu gehen und den Tod zu überwinden.

"In der Welt habt ihr Angst", stellt Jesus fest. Das ist so. Da brauchen wir nicht so zu tun, als hätten wir keine Angst. "Aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden!" Mitten in der Angst sind wir nicht alleine. Jesus, der weiß, was Angst bedeutet, ist bei uns - selbst in der dunkelsten Stunde. Bei ihm sind wir mitten in der Angst nicht alleine. Er trägt, tröstet und stärkt uns.

Gebet
Danke, dass wir immer zu dir kommen können, auch mit unserer Angst. Wir brauchen dir nichts vorzumachen, der du in unser Herz siehst. Tröste und stärke uns in der Angst - und führe uns hinaus, wenn es sein kann. Gib uns daraus auch Kraft, anderen in ihrer Angst beizustehen und sie zu trösten.

Liedstrophe(n)
EG 361 Befiehl du deine Wege (z. B. Strophen 1.7.8)