Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Corona-Zeiten (51)

Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Corona-Zeiten (51)


# Mein Gebet für heute
Veröffentlicht am Mittwoch, 6. Mai 2020, 06:00 Uhr

Zu Ostern bekam ich die CD „summen, singen, schreien“ mit neuen Liedern von Gerhard Schöne zu Psalmworten geschenkt. Einige Lieder sind Gebete und begleiten mich seitdem, auch das Gebet unten zu Psalm 27,8: „Mein Herz hält dir vor dein Wort: ‚Ihr sollt mein Antlitz suchen‘ Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.“  -

Jetzt geht wieder mehr im öffentlichen Leben. Doch dadurch wird es für die Menschen, die uns in den Samariteranstalten anvertraut sind, nicht einfacher. Sie sind weiterhin auf die Rücksicht der anderen angewiesen. Eine Corona-Infektion mit weitreichenden Folgen können wir in den Samariteranstalten nicht gebrauchen. Gott sei Dank sind wir bisher verschont geblieben und tun alles uns Mögliche dafür, dass das auch so bleibt.

Gottes Antlitz suchen, Gott hereinlassen, ihm Platz machen in uns geht jetzt genauso wie sonst, tastend, fragend, betend, aufmerksam. Gottes Antlitz suchen schenkt Weite, auch da, wo es zu Hause eng wird. Gott suchen schenkt Nähe, wo wir Nähe vermissen. Und ich bin gespannt, wohin wir uns von Gott mit und nach Corona leiten lassen. 

Ich such dein Antlitz, Gott.
Wie kann ich sicher sein,
dass du es wirklich bist?
Rede ich es mir ein?
Ist es dein Mund, der spricht
im zärtlichen Gedicht?
Singst du aus Liedern,
die mich trösten, manchmal? 

Der Straßenköter dort,
bist du das, Gott, vielleicht?
Du liefst mir nach, dein Blick
hat Mark und Bein erweicht.
Ich nahm mein Mettwurstbrot
und sagte: „Bitte, Gott,
lass es dir schmecken“
und du schnapptest es dir. 

In jedem Sonnenstrahl,
mein Gott, erkenn ich dich.
Mit Nebel, Regen, Schnee
und Wind umhüllst du mich.
Tief atme ich dich ein,
in jedem Glitzerstein
blinkst du mir zu,
das macht mich fröhlich, so oft.  

Der erste Mensch im All,
der Russe Gagarin
fand dich dort oben nicht,
das tat mir leid für ihn.
Ich war ein Kind und fand
dich, wo ich ging und stand.
Du zeigst dich eben gern
den Kindern, nicht wahr?!  

Im Fernsehn, dann und wann,
trifft mich ins Herz dein Blick.
Du bist das blasse Kind
in der Textilfabrik,
der Flüchtling auf dem Boot,
die Mutter, die ihr Brot
nicht anrührn will
und gibt’s den Kindern, oh Gott. 

Du standst am Beckenrand,
die Lippen zitternd, blau.
Dein Lehrer machte dich
vor all den Jungs zur Sau.
Ich ging vorbei und
– schwupps –
gab ich dem Kerl  ‘n Schubs.
Und alle hatten was
zu lachen, auch du.

Du lässt dich finden, Gott,
wenn ich dein Antlitz such.
Ich stolper über dich.
Du bist ein offnes Buch
Auch ich will offen sein.
Gern lass ich dich herein.
Nimm Platz in mir
und meinem Leben, oh Gott.

Gerhard Schöne, Jens Goldhardt, Ralf Benschu: Dein Antlitz, CD summen, singen, schreien; BuschFunk 2020 

Pfarrerin Ulrike Menzel, Theologischer Vorstand Samariteranstalten Fürstenwalde

 

Kommentare

Jens Peter Erichsen
Toller Text , danke, liebe Ulrike und bleibt behütet!
Frank Sch-B
Liebe Ulrike, einfach wunderbar. Ein großes Danke!