Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Corona-Zeiten (50)

Mein Gebet für heute - Kraftquelle in Corona-Zeiten (50)


# Mein Gebet für heute
Veröffentlicht am Dienstag, 5. Mai 2020, 06:00 Uhr

Sieben mal sieben sind neunundvierzig. Gestern ging also mit dem 49. Gebet die 7. Woche Gebete in dieser Zeit zuende. Danke an alle, die mitgebetet haben!

Heute beginnt mit dem 50. Gebet die achte Woche. Wie viele es wohl noch werden? Zu Beginn habe ich naiv mehr gefühlt als gedacht, nach gut dreißig Gebeten wäre ja dann alles vorbei. Inzwischen stelle ich mich darauf ein, dass es ein „danach“ so schnell nicht geben wird. Eher wird sich verändern, wie wir mit der Gefährdung leben. Wird es der Versuch sein, um jeden Preis den Virus abzuwehren, damit wir wieder leben können wie vorher? Oder müssen wir ein Leben in der Gefahr wagen? Und wenn das so ist, werden wir zynisch und fatalistisch sein, oder einfühlsam und solidarisch?

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

Darauf möchte ich hoffen: dass diese Zeit am Ende darin einen Sinn haben kann, dass wir das Leben mehr wertschätzen, und besonders, dass wir mehr wertschätzen, was das Leben lebenswert und wahrhaftig macht: Glauben, Liebe und Hoffnung.

Ich wünsche uns also nicht viele weitere Coronawochen. Aber ich wünsche mir, dass die Achtsamkeit und die Gemeinschaft, die entstanden sind, weiter erhalten bleiben und auch die Zeit danach mitprägen. Zum 50. Gebet ist es ist also Zeit für das gute alte „Friedensgebet des Franz von Assisi“:

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, o die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass du mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben. Amen.

Fußnoten des Betenden:

Und wenn ich gerade nicht der bin, der liebt, verzeiht, verbindet und Lichter anzündet, lass mich wenigstens nicht im Wege stehen.

Und wenn ich doch Trost, Verständnis und Liebe brauche, lass sie mich fröhlich und dankbar annehmen und nicht für mein Verdienst halten.

Möge diese Zeit trotz allem für uns alle eine gesegnete Zeit sein. 

Frank Schürer-Behrmann

Kommentare

Jens Peter Erichsen
Danke, Frank!
Hans Scheffel
Wir sind überrascht - schon die achte Woche!
Das Friedensgebet spricht voll in unsere Lage und die Ehrlichkeit der Fußnote tut gut.