Mein Gebet für heute - Kraftquellen in Corona-Zeiten (8)

Mein Gebet für heute - Kraftquellen in Corona-Zeiten (8)


# Mein Gebet für heute
Veröffentlicht am Dienstag, 24. März 2020, 06:00 Uhr

Ein Gebet auf Vorrat? 

Herr, unser Gott!
Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln.
Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden.
Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben.
Wenn es mit unsern Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen.
Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren.
(Karl Barth) 

Vor einigen Tagen lasen meine Frau und ich am Frühstückstisch Losung und Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine. Da war von Gott die Rede, der uns birgt und in dessen Zelt wir Schutz finden (Psalm 27), und von Paulus, der guten Mutes sein konnte, weil er im Vertrauen auf den Auferstandenen die Erfahrung gemacht hat: „...denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2. Korinther 12)

Und darauf folgte dieses Gebet von Karl Barth, auf das ich spontan antwortete: Amen! 

Noch sind wir gesund, noch ist niemand aus unserer Familie infiziert, noch haben wir keine Angst und sind nicht verzweifelt… Noch! Aber wenn es plötzlich ganz anders ist? Dann will ich mich an dieses Gebet erinnern und bitten, dass ich Gottes Nähe und Liebe spüren und daraus Kraft schöpfen kann. 

Ich finde es gut, Gebete wie dieses als Vorrat zu haben. Was meinen Sie? 

Reinhard Menzel, Studierendenpfarrer an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Kommentare

Annette Klinke
Lieber Reinhard,
herzlichen Dank für dieses Gebet! Bleibt alle tapfer und stark, gesund und behütet.
Mit vielen Grüßen vom heimischen Schreibtisch
Annette
Jens Peter Erichsen
Danke, lieber Reinhard!
Herzliche Grüße an Euch drei!
Jörg Heimbach
Lieber Reinhard,
vielen Dank für deine tröstenden Worte und vor allem für das Gebet von Barth. Aber darüber hinaus hat mich die Verbundenheit getröstet, die du schaffst mit deiner Idee, über ESG-Grenzen hinaus. Heute las ich im Kölner Stadtanzeiger, dass uns diese Krise radikal verändert. Aber - ehrlich gesagt - klingt es jetzt in der ganzen medialen Öffentlichkeit sehr nach einem (vermahnenden) "Memento mori" in großem Stile. Auch der biblische Gott will radikal verändern. Aber der gleiche Barth, dessen Gebet du zitierst, betonte, dass er dies zuerst durch seine Liebe tun will.
Müssten wir als ChristInnen jetzt nicht die vielen biblischem Beispiele betonen, wie Gott durch seine Liebe radikal befreit, nicht allein und nicht vor allem durch Drohung, Vermahnung, gar Krankheit und Endlichkeit des Lebens. Der Weg der radikalen Veränderung läuft zumindest bei uns über andere Bahnen, damit wir nicht bloß in das "memento mori" einstimmen, das jetzt alle irgendwie plausibel finden.
Auf jeden Fall, vielen Dank an Dich und Grüße aus Köln,
Dein ESG-Kollege Jörg Heimbach